Interview mit Dr. med. Jürgen Birmanns

„Menschliche Medizin – ein Plädoyer für eine humane Medizin“

Dr. med. Jürgen BirmannsHerr Dr. Birmanns, Sie sind ärztlicher Leiter des Dr.-Max-Otto-Bruker-Hauses in Lahnstein und Nachfolger des bekannten Gesundheits- und Ernährungspapstes Dr. Max Otto Bruker. Welches Gedankengut und welche Werkzeuge im Sinne der „menschlichen Medizin" hat Dr. Bruker Ihnen mit auf den Weg gegeben?

Dr. Birmanns: Patienten sind Menschen in Not. Der Arzt sollte dem Kranken mit Respekt und Achtsamkeit begegnen. Gesundheit ist ein Informationsproblem. Niemand ist selbst schuld an seiner Krankheit. Der Arzt hat die Pflicht, dem Patienten die wahren Ursachen seiner Krankheit zu nennen. Dies erfordert eine vertrauensvolle Patient-Arzt-Beziehung.

Sie verwenden häufig den Begriff einer humanen Medizin. Wie lautet Ihre Kernaussage einer menschlichen Medizin und welche Rolle spielt dann der Patient?

Dr. Birmanns: Medizin wird von Menschen gemacht. Medizin wird für Menschen gemacht. Der Körper ist keine Maschine. Eine menschliche Medizin betrachtet den Menschen als Leib-Seele-Geist-Einheit. Die körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Probleme des Patienten werden gleich ernst genommen. Im Zentrum einer menschlichen Medizin steht der kranke Mensch. Es geht um seine Autonomie.

Hochtechnisierte Medizin macht uns oft Angst. Wie kann ein Arzt den Spagat zwischen ethischer Heilkunst und Profit im Sinne seiner Patienten meistern?

Dr. Birmanns: Dr. Max-Otto Bruker pflegte zu sagen: „Meiden Sie Ärzte, die Angst machen.“ Die Medizin ist zu einem gewaltigen Wirtschaftsfaktor geworden. Der einzige Ausweg, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einzudämmen, ist die Prävention, d. h. die Verhütung der Krankheit. Die sprechende Medizin und echte Prophylaxe werden jedoch kaum honoriert. Die Apparatemedizin ist lukrativer.

Stichwort Demografie: Unsere Gesellschaft wird immer älter, die schweren Krankheiten nehmen zu. Wie wichtig ist deshalb die vielbeschworene Prävention?

Dr. Birmanns: Die Prävention hat für die Zukunft des Gesundheitswesens die größte Bedeutung. Die Gesundheitslehre ist der wichtigste Zweig in der Medizin. Wir Ärzte kommen oft zu spät und kurieren dann die Symptome mit hohem technischem und finanziellem Aufwand. Die echten Krankheitsursachen werden ignoriert.

In Ihrem Buch „Gesundheit aus einem Guss“ geht es im Wesentlichen um die Anwendung nach Kneipp. Würden Sie Sebastian Kneipp auch als Vertreter einer „menschlichen Medizin“ beschreiben?

Dr. Birmanns: Unbedingt. Kneipp war der größte Volksgesundheitslehrer. Er war ein kluger Kopf, obwohl er kein Akademiker war, sondern nur der Sohn eines Leinenwebers. Kneipp brachte den Menschen die Ordnungsgesetze des Lebens bei und heilte mit einem unschuldigen Mittel, dem Wasser. Ein Zitat von Kneipp bringt es auf den Punkt: „Wer nicht jeden Tag eine gewisse Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für seine Krankheit aufbringen!“

Portrait Dr. med. Jürgen Birmanns

Dr. med. Jürgen Birmanns arbeitet als ärztlicher Leiter am Gesundheitszentrum Dr.-Max-Otto-Bruker-Haus in Lahnstein. Er ist ein gefragter Referent und hält auch zusammen mit seinem Kollegen, dem Psychotherapeuten Dr. phil. Mathias Jung, Vorträge. Als Autor des Buches „Gesundheit aus einem Guss“ hat er sich ebenfalls einen Namen gemacht.