Interview mit Dr. Bärbel Wardetzki

„Nimm's bitte nicht persönlich!“
– Gesundes Selbstwertgefühl als Basis für befriedigende Beziehungen und Wohlgefühl –

Dr. Bärbel WardetzkiFrau Wardetzki, wie erreicht man ein stabiles Selbstwertgefühl?

Dr. Wardetzki: Eine Quelle ist sicherlich der Kontakt zu sich selbst. Indem ich frage: was fühle ICH, was brauche ICH und was denke ICH? stelle ich diesen Kontakt her. Das mag egoistisch klingen, doch das ist es nicht. Denn Menschen mit einem schwachen Selbstwertgefühl fragen immer: was fühlt der ANDERE, was braucht der ANDERE und was denkt der ANDERE? und versuchen, sich dem anzupassen.

Es ist wohl so, dass es gerade die Selbstzweifel sind, die uns immer wieder daran hindern, die wirklichen Probleme in uns und um uns herum zu erkennen. Welche Chance haben wir, die Selbstzweifel zu überwinden?

Dr. Wardetzki: Selbstzweifel sind in gewisser Weise gerechtfertigt, als ich mich damit notwendiger Kritik und Veränderung öffne. Sie sind jedoch hinderlich, wenn ich "kein gutes Haar" an mir lasse, alles hinterfrage, was ich tue und mir damit das Vertrauen in mich selbst nehme. Selbstlob stinkt in diesem Fall nicht, sondern hilft, dieses Vertrauen zu entwickeln.

Menschen mit einem geschwächten Selbstwertgefühl haben es offenbar viel schwerer, sich selbst wert zu schätzen, weil sie in ihrer Selbsteinschätzung so stark von der Zustimmung anderer abhängig sind. Was raten Sie diesen Menschen?

Dr. Wardetzki: Der Blick auf die Meinung des anderen soll Halt geben, ist aber trügerisch. Denn wenn ich immer nach Zustimmung und Bestätigung von Außen suche, sehe ich auch viele unbeteiligte oder kritische Blicke. Wenn wir uns selbst die Zustimmung geben, sind wir besser dran.

Auch Kränkungen, die oft ihre Wurzeln in der Kindheit haben, nagen zweifellos am Selbstwertgefühl. Gibt es ein Rezept, wie wir damit umgehen oder sie sogar überwinden können?

Dr. Wardetzki: Die Verletzungen durch Kränkungen können wir heilen oder zumindest lindern, indem wir uns dem Schmerz zuwenden und unserem verletzen Ich-Anteil nachträglich das geben, was er braucht, z.B. Anerkennung, Schutz, Zuwendung etc.

Es gilt demzufolge, Selbstachtung und Eigenständigkeit zu entwickeln, um durch einen gesunden Narzissmus ein positives Selbstbild und befriedigende Beziehungen zu erreichen. Wie schafft man das?

Dr. Wardetzki: Einen positiven Narzissmus können wir zum einen durch uns selbst entwickeln, indem wir uns auf unsere positiven Seiten besinnen. Zum anderen brauchen wir nährende und bestätigende Beziehungen, durch die wir das Gefühl erwerben, wertvoll und lobenswert zu sein.

Viel mehr zu dem umfassenden Themenkomplex berichtet Dr. Bärbel Wardetzki in ihrem Vortrag in Blieskastel. Die Zuhörer dürfen sich darauf freuen.

Portrait Dr. Bärbel Wardetzki

Die Diplom-Psychologin Frau Dr. Bärbel Wardetzki, geb. 1952, arbeitete lange in der Psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach. Sie ist in München als Psychotherapeutin, Supervisorin sowie in der Fortbildung tätig und viel gefragte Referentin im In- und Ausland, Gast bei Funk und Fernsehen sowie Autorin mehrerer Bestseller mit einer Gesamtauflage von über 250.000 Exemplaren.

Internet:
www.baerbel-wardetzki.de
www.koesel.de